Landschaft
Grüne Dächer und naturnahe Staudenbepflanzung im Zoo Hluboká Foto: Archiv Zoo Hluboká, Vojta Herout

Grüne Dächer und naturnahe Staudenbepflanzung im Zoo Hluboká

Die Besucher des zoologischen Gartens in Hluboká nad Vltavou flanierten ursprünglich in einem mehr oder weniger traditionell aussehenden Gelände. Zwischen den Pavillons gab es gepflegte Rasenflächen, Bäume und Sträucher, und die Dächer der Pavillons hatten die üblichen Abdeckungen. Doch dann, im Jahr 2000, änderte sich das ganze Konzept und der Zoo begann sich allmählich zu verändern. Die Dächer der neu errichteten Pavillons sind nun mit grünen Gärten bedeckt und die kurz gemähten Rasenflächen werden nach und nach durch bunte mit ausdauernden Pflanzen bewachsenen Flächen ersetzt. Dadurch hat sich die Wasserrückhaltekapazität des gesamten Bereichs erhöht und es herrscht hier ein angenehmeres Mikroklima für Tiere, Besucher sowie für Mitarbeiter. Und auch die Zooleitung lobt, dass der Garten für die Besucher nun auch dann angenehm ist, wenn sie kein ausgestelltes Tier beobachten können. Ein schöner Bonus ist dann, dass die Stauden weniger Pflege benötigen als der Rasen.

Nutzenbeschreibung der Anpassungsmaßnahme

 
Welche Probleme wurden gelöst
Die Neukonzeption der Gestaltung des Zoos in Hluboká nad Vltavou zielt darauf ab, den Bedarf an Pflege und Bewässerung schrittweise zu reduzieren. Es ist auch wichtig, die Rückhaltekapazität der Flächen für Regenwasser zu erhöhen und ein besseres Mikroklima zu gewährleisten.

Ein Nebeneffekt ist die Steigerung des ästhetischen Erscheinungsbildes des Zoogeländes, die Erhöhung der Artenvielfalt von Wildtieren (vor allem Insekten) und auch die Bewusstsein zu schaffen und zu erklären, wie man diese Problematik bewältigen kann.
 
Wie funktioniert die Maßnahme
Als der Zoo in Hluboká nad Vltavou zu expandieren begann, wurden die neuen Pavillons und Objekte nach und nach mit grünen Vegetationsdächern versehen. Diese dienen nicht nur als Ersatz der bei der Erweiterung des Komplexes verloren gegangenen natürlichen Grünflächen, sondern vor allem dem Regenwassermanagement und der Stabilisierung des Mikroklimas.

Die Vegetationsdächer im Zoo Hluboká ermöglichen die Bepflanzung mit größeren Pflanzen, Sträuchern und kleineren Bäumen. Dadurch halten sie das Regenwasser in ihrem Profil zurück und kühlen an heißen Tagen mit ihren Dämpfen die Umgebung und die Innenräume der Gebäude. Die Fläche der begrünten Dächer auf dem gesamten Gelände erreicht nun 1.200 Quadratmeter.

Im Jahr 2013 begann auch der schrittweise Ersatz der gepflegten Rasenfläche durch gemulchte Hochkräuter-Staudenbeete. Meistens handelt es sich dabei um naturnahe Vegetation, die das Erlebnis von konkreten Gehegen mit Tieren verstärkt. Im Gegensatz zu Rasenflächen sind diese Flächen pflegeleicht und halten Regenwasser weitgehend selbst zurück. Derzeit beträgt die Fläche dieser Staudenflächen etwa 970 Quadratmeter, wobei jedes Jahr weitere hinzukommen.
 
Ausgangszustand
Ursprünglich bestand das kleinere Zoogelände aus Quartier- und Stallgebäuden mit Dächern aus traditionellen Bedachungsmaterialien. Zwischen den Pavillons und Wegen gab es einen geringen Anteil an Grünflächen, meist in Form von gemähten Rasenflächen und einzelnen Bäumen und Sträuchern. Im Jahr 2000 wurde ein neues Konzept für die Modernisierung und Erweiterung des Geländes beschlossen. Das Prinzip dieses Konzeptes ist es, naturnahe Anlagen zu bauen, die die Lebensräume der dort gehaltenen Tiere darstellen. Vor dem Hintergrund einer lang anhaltenden Dürre war es notwendig, sich nicht nur mit der Wassereinsparung, sondern auch mit den steigenden zeitlichen Anforderungen an die Gärtner, die das Gelände betreuen, auseinanderzusetzen.
 
Wartung
Begrünte Dächer sind praktisch wartungsfrei und müssen zu einem großen Teil nicht einmal bewässert werden. Die Tröpfchenbewässerung erfolgt nur auf dem Dach des Tiger- und Bärenhabitats und die Besprühung auf dem Schrägdach des Bildungszentrums. Beide werden nur an den trockensten Tagen verwendet.

Die Entfernung unerwünschter Pflanzen ist nur in der Anfangsphase des Wachstums der Dachvegetation erforderlich oder in notwendigen Fällen, in denen eine Unkrautpflanze deutlich über die Zielbepflanzung hinauswächst - zum Beispiel verschiedene Arten von Kriechklee, die niedrige Pflanzen in ihrer unmittelbaren Umgebung bedecken können. Flächen mit gemulchten Hochkräuter-Staudenbeeten haben ebenfalls einen geringeren Pflegeaufwand als ursprüngliche Rasenflächen. Sie werden in der Regel nur einmal im Vorfrühling gemäht, und nur einige von ihnen werden am Ende des Sommers auch durch Verschnitt des überwucherten Laubes verjüngt. Jäten wird grundsätzlich nicht durchgeführt, Wildpflanzen werden Teil der Bepflanzung. Sie benötigen nur in der trockensten Periode des ersten Jahres nach der Pflanzung eine Bewässerung.
 
Warum ist es nicht anders
Das Prinzip der Modernisierung und Erweiterung des Zoos Hluboká ist die Errichtung von naturnahen Anlagen, die die Habitate der hier gehaltenen Tiere darstellen. Bereits bei den ersten Studien zu den einzelnen Pavillons wurde beschlossen, die Vegetationsdächer optimal zu nutzen. Auch Staudenpflanzungen waren zu dieser Zeit eine Selbstverständlichkeit.

Eine wirklich langanhaltende Trockenheit kann als größeres Risiko angesehen werden. Deshalb wurde im vergangenen Jahr der erste Speicher für Regenwasser, das von Dächern mit konventioneller Bedachung aufgenommen wird, gebaut.
 
Herausforderungen und Hindernisse
Beim ersten Gründach auf dem Bildungszentrum war die größte Herausforderung die Neigung des Untergrundes. Dieser variiert deutlich von der Horizontalen im oberen Teil des Gebäudes zu 55 Grad am untersten Teil. Im Jahr 2005, als dieses Gebäude gebaut wurde, war in der Tschechischen Republik noch kein ähnliches Gründach mit einer so hohen Neigung realisiert worden und geeignete Konstruktionstechniken und Elemente für solche Neigungen waren nicht verfügbar. Während der obere Teil und die nördlich exponierte Seite erfolgreich bewachsen wurden, begann die Südseite des Daches nach mehreren Jahren des erfolgreichen Wachstums hinunterzurutschen. Deshalb musste man den meist schrägen Teil des Gründaches auf dem Bildungszentrum nach zehn Jahren des Betriebes unter Anwendung der neuen Bauteile erneuern.

Die Art und Weise der Verwendung von ausdauernden Anpflanzungen war anfangs vorsichtig, und zu dieser Zeit war es in der Tschechischen Republik nicht zu bekannt. Der erste Teil wurde daher zunächst eher probeweise durchgeführt. Nach nur einem Jahr Erfahrung war jedoch klar, dass dies der richtige Weg für das gesamte Gelände ist.
 
Wie viel hat es gekostet?
Die Gesamtkosten sind schwer separat zu beziffern, da die neuen Gründächer jeweils als Teil von größeren Gebäuden waren. Es ist nicht möglich, klar zu trennen, was die Kosten für den Bau der Gebäude und was die Kosten für die begrünten Dächer sind.

Die meisten Gebäude mit Gründächern wurden aus Eigenmitteln des Zoos finanziert. Einige der Projekte wurden durch verschiedene Förderprogramme gefördert.

Für begrünte Dächer wird unter der Voraussetzung gelegentlicher Revitalisierungseingriffe mit der Lebensdauer gleich der Lebensdauer von einzelnen Gebäuden gerechnet. Man geht von 15 bis 25 Jahren aus, je nach Beschaffenheit des Gebäudes. Weder Rückflussdauer der Investitionen noch Ersparnisse wurden durch den Zoo ermittelt.

Öffentliche Gebäude Grünflächen in der Stadt Regenwassernutzung Gründach Biodiversität Hitzewellen und Wärmeinsel 

Lokalität:
Stadt Hluboká nad Vltavou
Umsetzungszeitraum:
2006-2021
Autor:
Ing. arch. Petr Heteša, Ing. Jiří Nedorost, Ing. Jan Nussbauer, Zbyněk Marhoun
Umsetzer:
Metrostav, Terestra, Auböck, Parabastav, Ing. Bartl, Ing. Nussbauer
Investor:
Südböhmische Zoologische Garten Hluboká nad Vltavou
Kontakt:
Roman Kössl
kosslhaha.@zoohluboka.cz
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Lead Partner des Projektes
Nadace Partnerství

Stiftung Partnerství hilft den Leuten in der Umweltpflege. Sie bietet ihnen dazu Subventionen, Fachdienstleistungen und auch die Inspiration aus dem Ausland. Sie sitzt in Brünn im Bildungszentrum "Offener Garten".

www.nadacepartnerstvi.cz

Projektpartner

Energetická agentura Vysočiny
Energy Centre České Budějovice
RERA a.s.
Klimabündnis Oberösterreich

Projektkontaktperson ADAPTRegion AT-CZ

Monika Hlávková
Nadace Partnerství
monika.hlavkova@nap.cz
 

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